5.1 Bekämpfung von Armut und Hunger

Ein Beitrag zu diesem zentralen Ziel kann in den aufgezeigten ökonomischen Impulsen und den Bereichen m-agriculture und m-banking gesehen werden.

Die Nutzung des Mobilfunks führt zu einer Reduktion der Transaktionskosten und damit zu einer Kostenersparnis für deren Nutzer. Aufgrund der mangelhaften Festnetzinfrastruktur in vielen Entwicklungsländern ist dieser Effekt für deren Einwohner besonders groß. Viele dieser Menschen sind erstmals in der Lage, die Möglichkeiten eines Kommunikationsnetzwerkes zu nutzen und in der Konsequenz durch die vereinfachte Informationsbeschaffung Zeit und Geld zu sparen, welche sie andernfalls für die Nutzung des Transportsystems aufwenden müssten.

Nach Angaben der Weltbank leben ungefähr 75% der Menschen, die von weniger als einem US-Dollar pro Tag leben müssen, in ruralen Regionen. Dort wiederum sind die meisten Menschen in der Landwirtschaft tätig. Die Vorteile der Nutzung von Agrarinformationssystemen wie TradeNet sind deutlich sichtbar. Mit Hilfe von Projekten wie CELAC kann auch Menschen geholfen werden, die Subsistenzwirtschaft betreiben, indem sie durch die Vermittlung von Wissen in die Lage versetzt werden, ihre Ernährungsgrundlage zu verbessern. Auch haben die agrarbezogenen Ausführungen der wirtschaftlichen Auswirkungen gezeigt, dass der erhöhte Informationsfluss, ermöglicht durch den Mobilfunk, zu einer Reduktion von regionalen Preisunterschieden führen kann. Am größten ist diese Wirkung auf periphere Märkte, deren Bevölkerung wiederum in der Regel besonders stark von Armut betroffen ist.

Die urbane Bevölkerung kann durch die indirekten wirtschaftlichen Impulse profitieren, indem sie Dienstleistungen rund um die Mobiltelefonie anbietet. Darüber hinaus hilft der Besitz eines Mobiltelefons Kleinstunternehmern im informellen Sektor, ihren Kundenkreis auszuweiten, indem sie erreichbar sind. Auch Hilfsarbeitern wird die Jobsuche über automatisch empfangene Angebote erleichtert. Mit der Nutzung von m-banking-Services ist sowohl der ruralen als auch der urbanen Bevölkerung geholfen, da sich der Geldtransfer über diese Systeme verbilligt und sie den Beteiligten eine höhere Sicherheit als informelle Transfersysteme bieten.

Die Mikrofinanzierung hat sich als probates Mittel zur Armutsbekämpfung etabliert. Um jedoch die Wirkung der Mikrofinanzierung auf ein für die MDGs signifikantes Niveau zu heben, muss nach GREELEY, M. (2006) eine massive Ausweitung der Programme erfolgen. Die zunehmende Verfügbarkeit des Mobilfunks übt einen positiven Einfluss auf die Mikrofinanzierung aus, da sie zur einfacheren Handhabung der Informationsflüsse beiträgt.250

Die Auswirkungen der Mobilfunknutzung stechen im ökonomischen Bereich besonders hervor, was mit dem hohen Bedeutung von Informationen für ökonomische Prozesse zusammenhängt.251 Darüber hinaus ist das Einkommen eine - verglichen mit anderen Indikatoren - leicht erfassbare Messgröße, was sich auch in den empirischen Studien widerspiegelt, die bisher vornehmlich die ökonomischen Effekte untersuchten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Mobilfunknutzung einen Beitrag zur Reduzierung der Armut leisten und durch die vereinfachte Informationsvermittlung auch die Bekämpfung der Hungers unterstützen kann. Darüber hinaus kann sie die produktive Vollbeschäftigung fördern. Bei der Bewertung dieses Unterzieles müssen jedoch Einschränkungen vorgenommen werden, da bei den Mobilfunkanbietern zwar attraktive und gutbezahlte Arbeitsplätze entstehen, insgesamt jedoch nur wenige Menschen direkt bei ihnen angestellt werden. Die Masse der Arbeitsplätze entsteht im informellen Sektor und fällt somit nur bedingt unter die Zielsetzung. Dennoch kann unter Einbeziehung der allgemeinen ökonomischen Effekte auch für dieses Unterziel ein positiver Einfluss der Mobilfunknutzung ausgemacht werden.

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250 vgl. Littlefield, E. & Helms, B. & Porteous, D. (2006), S. 5ff; Parikh, T. S. (2007)
251 vgl. Kapitel 4.3