4 Mobilfunk

Das folgende Kapitel beleuchtet den Mobilfunk und dessen Nutzung in Entwicklungsländern. Nach einer Einführung in die technologischen Aspekte erfolgt die Betrachtung der weltweiten Nutzung und Konnektivität, um anschließend die vielfältigen Wirkungen der Mobilfunknutzung aufzuzeigen.

Charakteristika mobiler Kommunikation
Die Kommunikationstechnologien üben einen erheblichen Einfluss auf die Kommunikationsmuster der teilnehmenden Personen aus. Sie verringern den Einfluss von Raum und Zeit auf den Kommunikationsprozess, indem die Kommunikationsnetzwerke den direkten Austausch von räumlich getrennten Personen ermöglichen. Darüber hinaus wird der zeitliche Einfluss auf die Kommunikation durch asynchrone und sequenzierte Kommunikationsprozesse40 weiter reduziert.41

Im Falle der mobilen Kommunikation werden diese Eigenschaften verstärkt und erweitert. Während der Teilnehmer zuvor einen feststehenden Knotenpunkt des Netzwerkes, z.B. ein Festnetztelefon, aufsuchen musste, ist er durch den Mobilfunk nunmehr permanent mit dem Netzwerk verbunden, wodurch der Einfluss des konkreten Raumes auf die Möglichkeit zur Kommunikation weiter abnimmt. Somit ist jeder Teilnehmer des Kommunikationsnetzwerkes - unabhängig von seinem Aufenthaltsort - theoretisch jederzeit erreichbar und kann jeden anderen Teilnehmer des Netzwerkes jederzeit erreichen.

Damit erhält der Mobilfunknutzer die Möglichkeit, eine ortsunabhängige, personalisierte und selbstbestimmte Form der Kommunikation zu führen.

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40 Anm. des Verfassers: Hierzu zählen beispielsweise die Kommunikation via E-Mail, SMS oder Diskussionsforen im Internet.
41 Anm. des Verfassers: CASTELLS benutzt in diesem Zusammenhang die Begriffe "timeless time" und "space of flows". Gemeint ist damit nicht die Überwindung von Raum und Zeit, sondern vielmehr der verringerte konkrete Einfluss dieser Faktoren auf die Kommunikation. Der "space of flows" bezeichnet den Raum, in dem die Kommunikation stattfindet, bestehend aus den Knotenpunkten des Netzwerkes der teilnehmenden Kommunikationspartner und den Verbindungen zwischen ihnen. Die Kommunikation im Netzwerk ist abhängig von dem "space of flows" und reduziert den Einfluss des konkreten Raums. Im Falle der Zeit verringert sich ihr Einfluss als determinierender Faktor für die Möglichkeit zur Kommunikation aufgrund der Ortsunabhängigkeit und Sequenzierung des Kommunikationsprozesses. Jeder einzelne Kommunikationsprozess entwickelt demnach seine eigene, von den Kommunikationspartnern bestimmte Zeit - die "timeless time". (vgl. Castells, M. (2004), S. 36ff)